Vielfalt, Variation und Stellung der deutschen Sprache

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Vielfalt, Variation und Stellung der deutschen Sprache

Vielfalt, Variation und Stellung der deutschen SpracheHerausgegeben von Karina Schneider-Wiejowski, Birte Kellermeier-Rehbein und Jakob Haselhuber

ISBN 978-3-11-030930-0e-ISBN 978-3-11-030999-7Library of Congress Cataloging-in-Publication DataA CIP catalog record for this book has been applied for at the Library of Congress.Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.© 2013 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/BostonDruck und Bindung: Druckerei Hubert & Co. GmbH und Co. KG ? Gedruckt auf säurefreiem PapierPrinted in Germanywww.degruyter.com

VorwortDer vorliegende Sammelband ist Prof. Dr. Ulrich Ammon in Anerkennung seinerhervorragenden wissenschaftlichen Leistungen gewidmet. In der Regel ehrenFestschriften diejenigen Persönlichkeiten, die ein bestimmtes Alter – bei Hoch-schullehrern meist 60 oder 65 Jahre – erreicht haben oder pensioniert werden.Weder zueinem dervergangenen Geburtstagenoch zumEintritt inden Ruhestandhat es für Ulrich Ammon eine Festschrift gegeben. Einer der Gründe mag daranliegen, dass er bisher nicht aufgehört hat zu forschen. Ganz im Gegenteil: Erwidmet sich der Forschung weiterhin mit all seinem Interesse und seiner Energie,mit welchen er in den vergangenen Jahrzehnten Großes geleistet hat. Die vorlie-gende Festschrift ist zwar als Ehrung seines wissenschaftlichen Lebenswerksgedacht, doch besteht in seinem Fall durchaus die Gefahr, dass es sich um eineverfrühte und unvollständige Ausgabe handelt, da nicht auszuschließen ist, dassin den kommenden Jahren noch weitere Forschungsschwerpunkte hinzuaddiertwerden können. Aber schon jetzt soll die Festschrift unseren Dank an den hilfs-bereiten Menschen und akademischen Lehrer sowie unsere persönliche Wert-schätzung seiner wissenschaftlichen Leistung zum Ausdruck bringen.Der Band trägt den weit gefassten Titel Vielfalt, Variation und Stellung derdeutschen Sprache. Er zeigt das breite Spektrum der Themengebiete von UlrichAmmon nur annäherungsweise, ohne es abzudecken, denn seine Forschungs-schwerpunkte reichen von Soziolinguistik (z. B.: soziale Verteilung von Dialektund Standard; Schulschwierigkeiten von Dialektsprechern; Definition und Fest-legung von Standardnormen), über Variationslinguistik (insbesondere: Deutschals plurizentrische Sprache; nationale Varietäten des Deutschen) bis hin zuSprachenpolitik und Stellung der deutschen Sprache in der internationalenKommunikation (vor allem: das Sprachenregime in den Institutionen der Euro-päischen Union; Sprachplanung; Deutsch als Wissenschafts- und Verkehrsspra-che). Aufgrund seiner exzellenten und innovativen Forschungen und zahlreichenBeiträge zu den o. g. Gebieten wurde er im Laufe seiner Karriere zu einem sehrgefragten und international anerkannten Wissenschaftler, nahm zahlreicheAuslandsgastprofessuren wahr und förderte den wissenschaftlichen Nachwuchsaus vielen Ländern der Welt. So verwundert es nicht, dass die hier versammeltenAutorinnen und Autoren aus verschiedenen Kontinenten stammen.Die Beiträge dieses Bandes beziehen sich auf zentrale Forschungsgebiete vonUlrich Ammon: Vielfalt und Variation der deutschen Sprache sowie Sprachen-politik und internationale Stellung von Sprachen.Zum variationslinguistischen Bereich gehören die Aufsätze von Birte Keller-meier-Rehbein, RegulaSchmidlin, Karina Schneider-Wiejowski,Vit Dovalil,JarmoKorhonen, Hans Bickel und Lorenz Hofer. Sie kreisen rund um die Themen

sprachlicher Standard, Deutsch als plurizentrische Sprache und nationale Va-rietäten. Csaba Földes und Harald Haarmann thematisieren Variation, Mehr-sprachigkeitundSprachkontakt.BeiHansGoebl,YvesScherrerundPavelSme?ka,Jakob Ebner, Norbert Dittmar und Eva Neuland und geht es um Dialekte undandere Varietäten des Deutschen. Hitoshi Yamashita schreibt über die ver-schleierndeFunktionderSpracheundeinBeitragzumBeamtendeutschvonJakobHaselhuber im Sinne der fröhlichen Wissenschaft rundet diesen Themenbereichab.Sprachenpolitische Aspekte und Probleme werden von Sue Wright, GeorgesLüdi, Hideaki Takahashi, Jan Kruse, Martin Pütz und René Dirven bearbeitet. IhreAufsätze berücksichtigen die Institutionen der Europäischen Union und denDeutschen Bundestag, ferner die Sprachenpolitik des Kleinstaates Luxemburg,Englisch als Verkehrssprache sowie Globalisierung und Modelle der Sprachpla-nungausSichtderKognitivenSoziolinguistik.DieStellungderdeutschenSprachein Belgien, Rumänien, Italien und Brasilien wird von Jeroen Darquennes, IoanL?z?rescu, Sandro Moraldo, Monica Savedra und Beate Höhmann präsentiert.HelgaBister-BroosenundRolandWillemynsbefassensichmitderVerbreitungdesNiederländischen in der Welt. Um Deutsch als Fremdsprache in Australien,Russland und Deutschland geht es bei Brian Taylor, Natalia Troshina, JianhuaZhu, Dirk Scholten-Akoun, Yu Chen und Sara Hägi. Den Abschluss bilden Rup-precht S. Baur, Stefan Ossenberg, Marina Zarudko und Sonja Vandermeeren mitBeiträgen über Stereotype.Die Idee zu diesem Sammelband anlässlich seines 70. Geburtstags entstandim Sommer 2012 bei einem Gartenfest im Hause der Familie Ammon und schonbald darauf begann die Arbeit. Dabei unterstütze uns Katharina Ammon u. a.durch wertvolle Ratschläge und kluge Gedanken. Ihr gebührt unser aufrichtigerDank! Ebenso verdienen alle Autorinnen und Autoren unsere Anerkennung fürihre engagierte und professionelle Mitarbeit, ohne die der Band in der relativkurzen Vorbereitungszeit nicht hätte fertiggestellt werden können. Ann-CathrinObermeier, SandraHartkamp und UlrikeSchulz leistetenwichtige HilfestellungenbeiderRealisierungdesBandesundHerrGietzvomVerlagWalterdeGruyterstanduns stets mit Rat und Tat zur Seite. Auch ihnen allen danken wir sehr herzlich.Karina Schneider-Wiejowski (Duisburg),Birte Kellermeier-Rehbein (Wuppertal)und Jakob Haselhuber (Havanna) im März 2013VI Vorwort

InhaltTeil I:Vielfalt und Variation der deutschen SpracheBirte Kellermeier-RehbeinStandard oder Nonstandard? Ungelöste Probleme der Abgrenzung 3Regula SchmidlinGebrauch und Einschätzung des Deutschen als plurizentrische Sprache 23Karina Schneider-WiejowskiZur Überarbeitung des Variantenwörterbuches am Beispiel derTeutonismen 43Vít DovalilSoziales Kräftefeld einer Standardvarietät als methodologischer Impuls für dieDebatte über die Standardnormen 65Hans Bickel und Lorenz HoferGutes und angemessenes Standarddeutsch in der Schweiz 79Jarmo KorhonenNord- und Südstandard des Deutschen in deutsch-finnischenAllgemeinwörterbüchern 101Csaba FöldesSprachliche Praktiken im Spannungsfeld von Variation und Mehrsprachigkeit:Ein Beitrag zur Empirie 119Harald HaarmannWer hat das Theater erfunden? Reflexionen zu Langzeitwirkungen imSprachkontakt 143Hans Goebl, Yves Scherrer und Pavel Sme?kaKurzbericht über die Dialektometrisierung des Gesamtnetzes des„Sprachatlasses der deutschen Schweiz“ (SDS) 153

Jakob EbnerAufhin – hinauf – nach oben – hochBetrachtung zu den Lokaladverbien in sprachgeschichtlicher,soziolinguistischer und arealer Sicht 177Norbert DittmarReflexionen über das Entstehen eines deutschen Dialekts am Beispielmultiethnisch geprägter jugendsprachlicher Stile in Großstädten 195Eva NeulandSoziolinguistische Dimensionen (inter)generationellenSprachgebrauchs 209Hitoshi YamashitaDie verschleiernde Funktion der Sprache 225Jakob HaselhuberBeamtendeutsch – Fachsprache oder Fremdsprache? 245Teil II:Sprachenpolitik und internationale Stellung von SprachenSue WrightWhy isn’t EU language policy working? 259Georges LüdiIst Englisch als lingua franca eine Bedrohung für Deutsch und andereNationalsprachen? 275Hideaki TakahashiSprachenpolitik eines Kleinstaates in der EULuxemburgs Trilingualismus und seine Perspektive 293Jan Kruse„I do not understand the EU-Vorlage“Folgen der sprachenpolitischen Praxis in den Institutionen der EU für denDeutschen Bundestag – Ergebnisse einer quantitativenUntersuchung 309VIII Inhalt

Martin Pütz und René DirvenGlobalisierung und Sprachplanungsmodelle aus Sicht der KognitivenSoziolinguistik: Fallstudie Namibia 325Jeroen DarquennesDeutsch als Muttersprache in Belgien: Forschungsstand undForschungsperspektiven 349Ioan L?z?rescuRumäniendeutsch – eine eigenständige, jedoch besondere Varietät derdeutschen Sprache 369Sandro M. MoraldoDie deutsche Sprache im Kontext der italienischen Sprachenpolitik 391Mônica Maria Guimarães Savedra und Beate HöhmannDas plurizentrische Deutsch in Brasilien und die regionale Kooffizialisierungeines ostniederdeutschen Dialekts 411Roland Willemyns and Helga Bister BroosenDutch in the world 427Brian TaylorZwei deutsche Lesekurse für Wissenschaftler an einer australischenUniversität: Entwicklungsgeschichtliches und Methodisches 459Natalia TroshinaNachfrage nach Deutschkenntnissen im heutigen Russland 477Jianhua ZhuDidaktische Überlegungen in der Lehrwerksentwicklung für Hochschuldeutschin China – Am Beispiel „Klick auf Deutsch“ 489Dirk Scholten-AkounChinesische Studierende in DeutschlandBericht über ein Austauschprojekt zwischen der Tsinghua-Universität inBeijing (TUB) und der Universität Duisburg-Essen (UDE) 501Inhalt IX

Yu ChenDie deutsche Sprache für chinesische Studierende an deutschen HochschulenEinstellungen, Gebrauch und Beherrschung 517Sara HägiAmmon 1995 didaktisiert: Die deutsche Sprache in DACH und ihre Realisierungim Unterricht Deutsch als Fremdsprache 537Rupprecht S. Baur, Stefan Ossenberg und Marina ZarudkoDeutsche und russische Stereotypen im VergleichZur Erforschung von nationalen Bildern in unseren Köpfen 549Sonja VandermeerenKulturdimensionen und Stereotype: eine empirische Untersuchung in Dänemarkund Deutschland 563X Inhalt

Teil I: Vielfalt und Variation der deutschenSprache

Birte Kellermeier-RehbeinStandard oder Nonstandard?Ungelöste Probleme der AbgrenzungAbstract: Während Laien meist über ein intuitives Verständnis von Hochdeutschverfügen und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass es „das gute undrichtige Deutsch“ gibt, besteht unter Sprachwissenschaftlern bisher kein Einver-nehmen darüber, wie der Begriff ‚Standardvarietät‘ definitorisch exakt zu fassenist. Der vorliegende Beitrag stellt die Schwierigkeiten der Definition und die oftinkonsequente Verwendung von einschlägigen Termini wie Standardisierung,Standardsprache und Norm dar. Aufgrund der bisher fehlenden Definition kommtes immer wieder zu Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Standard und Non-standard,die anhand eines unflektierten schwachen Maskulinums (den/dem Bär)exemplarisch dargestellt werden. Abschließend erfolgen Überlegungen zu denFunktionen von Standardvarietäten und ihren Auswirkungen auf die Entstehungeines eng oder weit gefassten Standardbegriffs.Keywords: Standardsprache, Standardvarietät, Standardisierung, Normierung,Nonstandard, Kräftefeld einer Standardvarietät, Grenzfall des Standards, Ge-brauchsstandard, subsistente Norm1 „Sag’s doch auf Hochdeutsch!“ – Aber was istdas eigentlich?Eine solche Frage stellen sich gewöhnlich nur Sprachwissenschaftler¹, währendLaiendenAusdruckHochdeutschmeistganzunbedarftverwendenundintuitivfürsich entscheiden, was als „richtiges und gutes Deutsch“ gelten kann und wasnicht. Sie haben auch kein Bedürfnis, den Begriff zu hinterfragen oder termino-logisch zu schärfen. Dabei ist diese Bezeichnung durchaus problematisch, dennHochdeutsch steht als Fachterminus für die Menge aller Dialekte, die von derZweiten Lautverschiebung erfasst wurden, und damit für etwas ganz anderes alsder alltagssprachliche Ausdruck, mit dem gemeinhin die sprachliche Norm be-zeichnet wird. Zur Vermeidung von Missverständnissen bevorzugen Linguistenden Terminus Standardvarietät, doch andere Bezeichnungen wie Schrift- oder? Zur besseren Lesbarkeit verwende ich stellvertretend für beide Geschlechter das generischeMaskulinum.

Literatursprache, Einheits- oder Standarddeutsch kommen ebenfalls vor. Fernerbesteht keine Klarheit darüber, was genau unter ‚Standardvarietät‘ zu verstehenist, da dieser Begriff immer noch einer zufriedenstellenden und allgemein ak-zeptierten Definition entbehrt. Man steht hier vor einem der bisher ungelöstenProbleme der Linguistik: Einige grundlegende und zentrale Gegenstände derSprachwissenschaft sowie die dazugehörigen Termini, die zudem im alltäglichenSprachgebrauchverwendetwerden,konntenbishernichtgenaubestimmtwerden(z. B. Wort, Satz oder Dialekt). Die vielen terminologisch und inhaltlich unge-klärten Begriffe rund um das Thema „sprachlicher Standard und seine Abgren-zung von Sub- und Nonstandard“ werden von Löffler (2005) ausführlich aufge-listet und in ihrer Unklarheit entlarvt. Treffsicher stellt er fest, dass „der BegriffStandard […] offensichtlich seine Tücken“ habe (ebd., 16), und fügt hinzu, dassauch der Versuch, ihn ex negativo durch seine Gegenbegriffe (z. B. ‚Umgangs-sprache‘, ‚Dialekt‘) zu schärfen, die Lage nicht einfacher mache.Immerhin hat man sich dem Standardbegriff in zahlreichen Publikationenangenähert, indem Eigenschaften von Standardvarietäten, Bedingungen ihrerHerausbildung sowie Instanzen ihrer Festlegung und Implementierung umrissenwurden (vgl. z. B. Ammon 1986, 1995, 2004, 2005; Mattheier 1997).Was bleibt, isttrotz allem die geschuldete Definition. Nimmt man den Ausdruck Definitionwörtlich (aus lat. definire ‚abgrenzen‘), ist es nur eine logische Konsequenz, dasssich auch die Grenzziehung zwischen Standard und Nonstandard immer wiederals schwierigerweist. Der vorliegende Aufsatz wird das Problem nicht lösen, aberanhand eines konkreten Beispiels das damit verbundene Dilemma darstellen.2 Definitorische und terminologische ProblemeIm Laufe der Zeit wurden eine ganze Reihe von Versuchen zur Definition desBegriffs ‚Standardvarietät‘ unternommen, die hier nicht in Gänze wiedergegebenwerden können. In einschlägigen Lexika und Wörterbüchern (vgl. z. B. Bußmann3 2002, Duden-Universalwörterbuch 6 2007, Glück 4 2010) sucht man oft vergebenseine präzise Auskunft über die genaue Bedeutung von Termini wie Standard-deutsch, Standardsprache, Standardvarietät, Hochdeutsch oder Hochsprache.Stattdessen werden sie häufig mit wenig aussagekräftigen Synonymen oderPhrasen erklärt. Auch in der Fachliteratur wurde dieses Problem vielfach bear-beitet. Die dabei entstandenen Definitionsversuche schreiben der Standardva-rietät immer wieder bestimmte Eigenschaften wie überregional, invariant, ausge-baut, polyvalent, geschrieben und kodifiziert zu und ordnen sie der Mittel- undOberschicht zu (vgl. Mattheier 1997, 3).4 Birte Kellermeier-Rehbein

DieseZuschreibungenkönneneinerkritischenHinterfragunginBezugaufdasDeutsche allerdings nicht immer standhalten. Ammon (1986) hat im Hinblick aufdie konventionelleSetzungdesBegriffsgezeigt,dassdieo.g.EigenschafteninderRegel weder notwendige noch hinreichende Merkmale des Begriffs ‚Standardva-rietät‘ sind. Darüber hinaus müssen weitere Abstriche gemacht werden: Hin-sichtlich der präskriptiven Kodifizierung beispielsweise wird zwar unterstellt,dass Wörterbücher und Grammatiken den „richtigen“ Gebrauch vorschreiben,allerdingsgiltdies nur fürdie Orthographie,während andere Systemebenen nichtverbindlich normiert sind. Ferner besteht keine Übereinkunft,welche Grammatikoder welches Aussprachewörterbuch für die deutsche Sprache maßgeblich seinsoll. Auch die Auffassung, dass eine Standardvarietät nur der Oberschicht vor-behalten sei, kann heute nicht mehr ernsthaft vertreten werden, da sie von denAngehörigen aller Sozialschichten in der Schule erlernt werden muss. Außerdemsind die vermeintliche Invarianz und überregionale Geltung zu relativieren. ZumeinenumfasstdiedeutscheSpracheaufgrundihrerPlurizentrikmehrerenationaleStandardvarietäten, die den deutschsprachigen Raum unter sich aufteilen undgleichzeitigeineinterneregionaleVariationaufweisen.Zumanderenwurdeindenletzten Jahren immer deutlicher, dass die vermeintliche Einheitssprache nicht sohomogen und klar vom Nonstandard abgrenzbar ist wie allgemein angenommen.Dies ist auf sprachliche Phänomene zurückzuführen,deren Normstatus ungeklärtist, da sie von einigen als Fehler stigmatisiert und mit „Sprachverfall“ gleichge-setzt werden, während andere sie als Prozesse des Sprachwandels auffassen.Letztere heißen sie als begrüßenswerten Fortschritt und Anpassung an neuekommunikative Bedürfnisse einer modernen Gesellschaft willkommen und ver-sprechensicheine„ZunahmederLeistungsfähigkeitderSprache“(Eichinger2011,12ff.).Auch Ulrich Ammon hat den Standardbegriff an verschiedenen Stellen aus-führlich bearbeitet und dabei nicht nur die o. g. Eigenschaften, sondern darüberhinaus den Aspekt des Status berücksichtigt (vgl. Ammon 2004, 277). Ihm zufolgeist die Standardvarietät die in öffentlichen und formellen Kommunikationssi-tuationen zu verwendende Varietät einer offiziellen staatlichen Amtssprache.Durch ihre amtliche Institutionalisierung ist ihr Gebrauch für die interne undexterne Kommunikation von Ämtern und Behörden untereinander sowie mit denBürgern obligatorisch. Dies setzt voraus, dass die Standardvarietät Unterrichts-gegenstand und -sprache in der Schule ist, damit jeder Staatsangehörige an Po-litik, Verwaltung und Öffentlichkeit teilhaben kann. Eine weitere von Ammonzugeschriebene Eigenschaft ist die Überdachung von Nonstandardvarietäten dergleichen Sprache (vgl. dazu Ammon 1995, 2ff.).DasProblemderStandard-Definitionistabernichtnuraufdieo.g.sachlichenProbleme zurückzuführen, sondern auch auf terminologische Unstimmigkeiten.Standard oder Nonstandard? Ungelöste Probleme der Abgrenzung 5

Sie zeigen sich insbesondere in der uneinheitlichen und inkonsequenten Ver-wendung zentraler Termini wie Standardvarietät, Standardsprache, Standardi-sierung, Norm und Normierung. Im engeren Sinne bezeichnet Standardspracheeine (ganze) Sprache (Diasystem, z. B. Deutsch, Niederländisch), die über min-destens eine Standardvarietät verfügt (z. B. Standardniederländisch). Im weiterenSinne wird Standardsprache synonym zu Standardvarietät verwendet und be-zeichnet in diesem Fall ein mit einem besonderen Status ausgestattetes sprach-liches Subsystem einer ganzen Sprache (Abb. 1).Während der Terminus Standardsprache also mit zwei verschiedenen Be-deutungen versehen wird, ist es bei den Begriffspaaren ‚Standard‘ und ‚Norm‘sowie‚Standardisierung‘und‚Normierung‘umgekehrt:SiewerdenwieSynonymeverwendet, obwohl sie es nicht in allen Fällen sind. Standardisierung bezeichnetim Allgemeinen eine aus gesellschaftlicher Praxis erwachsene und bewährteVereinheitlichung eines Sachverhaltes oder einer Vorgehensweise. In Bezug aufSpracheerfolgtedieStandardisierungdesDeutschen,alssichausderVielzahlderDialekte eine weitgehend einheitliche überregionale Varietät ohne dialektaleMerkmale herausbildete, die als Ergebnis dieses Prozesses als Standardvarietätbezeichnet werden konnte. Eine Norm ist dagegen gemeinhin eine (rechtlich)anerkannte,allgemeingültigeund meist schriftlich fixierteRegelzur HandhabungeinesSachverhaltes.AuslinguistischerPerspektiveentsprichtdieNormderMengealler sprachlichen Einheiten und Regeln, die schriftlich im Kodex (Wörterbücherund Grammatiken) einer Sprache oder Varietät festgelegt sind. Normierung istdementsprechend die Festlegung der Norm. In der linguistischen Literatur wirdhäufig auf eine klare Differenzierung der Termini verzichtet, so dass Standardi-sierung und Normierung beide Aspekte umfassen: Vereinheitlichung und Festle-gung des „Richtigen“ (Abb. 2).Abb. 1: Polysemie von StandardspracheAbb. 2: Teilsynonymie von Standardisierung und Normierung6 Birte Kellermeier-Rehbein

Norm ist aber nicht immer mit Standard gleichzusetzen, denn auch Dialektehaben Normen.Wer sie nicht beachtet, spricht fehlerhaft Dialekt. Die Festlegungund begriffliche Schärfung der o. g. Termini ist ein dringliches sprachwissen-schaftliches Desiderat.3 Festlegung des Standards und Abgrenzungvom NonstandardDoch wer legt eigentlich fest,welche Sprachformen standardsprachlich sind undwelche nicht? Zur Klärung dieser Frage entwickelte Ammon (1995, 73ff.) ein Mo-dell, das die maßgeblich an der Festlegung des Standards beteiligten gesell-schaftlichen Gruppen zeigt. Das sogenannte soziale Kräftefeld einer Standardva-rietätumfasstfolgendeBestandteile:DieKodifizierer(AutorenvonWörterbüchernund Grammatiken), Modellsprecher und -schreiber (z. B. Nachrichtensprecher,Journalisten, Schriftsteller), Sprachexperten (v. a. Linguisten) und Normautori-täten (v. a. Lehrer). Sie alle wirken bei der Beurteilung der Standardtauglichkeitvon Sprachformen mit, wobei sie sich aneinander orientieren, sich gegenseitigbeeinflussen und den Sprachgebrauch der Bevölkerungsmehrheit berücksichti-gen(vgl.auchDovalil,indiesemBand).ImIdealfallsindsichdieseInstanzenüberden Status einer sprachlichen Einheit einig, es kommt aber auch zu unter-schiedlichenEinschätzungenbezüglichderStandardsprachlichkeitvoneinzelnenSprachformen, so dass diese dann zumindest nicht uneingeschränkt standard-sprachlich sind.Aber warum ist es in manchen Fällen schwierig, festzulegen, was „richtigesund gutes Deutsch“ ist und was nicht? Der Grund dafür könnte in der traditio-nellen Gliederung der deutschen Sprache liegen, die sich auf die beiden Dimen-sionen Diatopik und Diastratik stützt. Erstere bezieht sich auf die dialektaleGliederung des deutschen Sprachraums, letztere versucht die Varietäten nachihren kommunikativen Funktionen und ihrem Prestige einzuteilen. Dabei einstehtein Kontinuum, an dessen unterem Ende kleinräumige Dialekte mit geringemAnsehen und eingeschränkten Verwendungsmöglichkeiten positioniert sind,währendam entgegengesetztenPoldieStandardvarietätmitdemgrößtenPrestigeund den weitreichendsten Einsatzmöglichkeiten angesiedelt ist. Der Bereich da-zwischen umfasst diverse Übergangserscheinungen wie Verkehrsdialekte undregionale Umgangsvarietäten. Erstere sind zwar mundartlich geprägt, enthaltenaber keine „breiten“ Dialektismen und erreichen dadurch einen größeren Kom-munikationsradius als die Basisdialekte. Die regionalen Umgangsvarietäten sindder Standardvarietät linguistisch sehr ähnlich und lediglich regional gefärbt, daStandard oder Nonstandard? Ungelöste Probleme der Abgrenzung 7

sie meist nur Relikte mundartlicher Besonderheiten enthalten. Abbildung 3 zeigt,dass bei abnehmender Anzahl der Dialektismen die Größe des Kommunikati-onsradius einer Varietät zunimmt.Diese Einteilung trifft allerdings weder für die Schweiz zu, wo keine Um-gangsvarietäten existieren, noch für das niederdeutsche Gebiet im NordenDeutschlands,wodie autochthonenDialektevor allem in den Städtenweitgehenddurch Standard- oder Umgangsvarietäten verdrängt wurden.ImmerwiedertauchtdieFrageauf,anwelcherStelleimKontinuumdieGrenzezwischen sprachlichem Standard und Nonstandard gezogen werden müsse.Wasist noch „korrektes Hochdeutsch“ und was gehört nicht mehr dazu und muss alsAbweichung, Fehler oder „schlechtes“ Deutsch bewertet werden? Ist die Um-gangsvarietät eine saloppe Stilschicht des Standards oder gehört sie zum Non-standard? Welche Sprachformen können in standardsprachliche Wörterbücheraufgenommen werden? Welche Ausdrucksweisen sollen im DaF-Unterricht Be-rücksichtigung finden? Aufgrund der bisher unbefriedigenden Definition vonStandard (s.o.) wird die Grenzziehung kontrovers diskutiert. Besonders augen-scheinlich wird die Frage bei solchen Sprachformen, die von den vier Instanzendes Kräftefeldes nicht einheitlich beurteilt werden. Davon sind vor allem solcheSprachformen betroffen, die zwar in Modelltexten (z. B. in Zeitungsartikeln)auftauchen, von Modellsprechern (z. B. Fernsehmoderatoren) oder von einemGroßteil der Sprecher verwendet werden, aber nicht als standardsprachlich ko-difiziert sind. Die in der folgenden kleinen Liste exemplarisch genannten „Pro-blemfälle“ werden zum Teil in der sprachwissenschaftlichen Literatur diskutiert(vgl. Ammon 1995, Berend 2005, Spiekermann 2005, Elspaß 2005, Negele 2012)oder stammen aus Eigenbeobachtungen (Beispiele 8, 10 und 15):Abb. 3: Dialektismen und Kommunikationsradius im Dialekt-Standard-Kontinuum8 Birte Kellermeier-Rehbein

Lautung(1) Tilgung des auslautenden -t: nich, is(2) Spirantisierung des <-g>/<-gt> geschriebenen Auslautes (außer in -ig, -igt) zu[ç] oder [x]: Kriech, Tach(3) Schwa-Apokope bei Verben der 1. Pers. Sing. Präsens: ich hab, ich geh(4) Verkürzung des unbestimmten Artikels zu ne(5) Reduziertes enklitisches es: er hats(6) Norddeutsche [f]-Aussprache des geschriebenen <pf>: Fingsten(7) Südwestdeutsche s-Palatalisierung: faschtMorphologie(8) Schwache Maskulina ohne Flexionsendung: Ich sehe den Bär.(9) Getrennte Pronominaladverbien: Da weiß ich nichts von.(10) Imperativformen ohne Ablaut:Vergess den Schlüssel nicht! Helf ihm mal!Syntax(11) Weil-Sätze mit V2-Stellung: weil ich hab mich […] beworben.(12) nicht brauchen (ohne zu): Du brauchst nicht weinen.(13) Wegen/während/(an)statt mit Dativ oder Akkusativ: wegen dem Regen(14) Komparativ mit wie oder als wie: Susi ist größer (als) wie Steffi.(15) Abweichende Verwendung der starken und schwachen Formen von hängen,aufhängen, anhängen etc.: Sie hat den Mantel aufgehangen.4 Den Bär – Standard oder Nonstandard?Im Folgenden möchte ich exemplarisch anhand des unflektierten schwachenMaskulinums Bär zeigen, warum die Zuordnung zu einer der Normebenen(Standard oder Nonstandard) problematisch sein kann, auch wenn eine Aussagewie „Ich sehe den Bär“ bis vor kurzem noch eindeutig dem Nonstandard zuge-ordnet worden wäre und von vielen sicher immer noch so empfunden wird. Dazuwerde ich in Anlehnung an Ammon der Bewertung des unflektierten Gebrauchsvon Bär durch das Soziale Kräftefeld einer Standardvarietät nachgehen.Die Tatsache, dass das Beispiel in (8) auf Eigenbeobachtung beruht, ist schoneinHinweisaufdasnichtnurvereinzelteVorkommenderflexionslosenFormenvonBär im Sprachgebrauch der Bevölkerung. Dies gilt ebenso für andere schwacheMaskulina wie Artist, Bandit, Hase, Konfirmand, Psychologe, Prinz, Zeuge, Konfir-mand u.v. a.Wie häufig sie im Vergleich zu flektierten Formen auf -envorkommen,müsste eigens empirisch erhoben werden. Darüber hinaus ist noch festzustellen,Standard oder Nonstandard? Ungelöste Probleme der Abgrenzung 9

dass die flexionslose Verwendungsweise meist nicht, wie zu erwarten wäre, aufVerwunderung oder Spott stößt oder sprachliche Korrekturen hervorruft, sondernvon den Hörern in der Regel kommentarlos zur Kenntnis genommen wird. DerunflektierteGebrauchscheintalsovonderSprechergemeinschaftnichtbeanstandetzu werden. Aber wie bewerten ihn die anderen Bestandteile des Kräftefeldes?Eine Korpusanalyse soll zeigen, ob diese Verwendung in Modelltexten vor-kommt. Aus dem vom Institut für deutsche Sprache in Mannheim bereitgestelltenCosmas II² wurde ein kleineres benutzerdefiniertes Korpus³ zusammengestellt,das ausschließlich deutsche Zeitungen aus den Jahren 2000 bis 2011 enthält.Ältere Texte sowie österreichische und schweizerische Publikationen bliebenunberücksichtigt. Gesucht wurde nach Belegen für den unflektierten Gebrauchvon Bär im Singular, wobei die vermeintlichen Formen des Dativs „dem/einemBär“ und des Akkusativs „den/einen Bär“ ausgewählt und als Suchanfrage ein-gegeben wurden. In einem zweiten Schritt wurden die Treffer für unflektierte undflektierte Formen von Bär quantitativ verglichen.Tab. 1: Ergebnisse der Korpus-Recherche zu flektierten und unflektierten Kasusformen von BärSuchanfrage Treffer Suchanfrage Treffer TreffergesamtAkk. Sing. den Bäreinen Bär??? (?,? %)?? (?,? %)den Bäreneinen Bären??????????????Dat. Sing. dem Bäreinem Bär?? (??,? %)?? (??,? %)dem Bäreneinem Bären????????????Die Recherche im Zeitungskorpus zeigt, dass die beiden unflektierten Formen desschwachen Maskulinums tatsächlich in Modelltexten Verwendung finden. Siewurden von Modellschreibern für schriftliche Texte gewählt und haben die Prü-fung durch ein Lektorat bzw. eine Redaktion überstanden. Die unflektiertenFormen kommen insgesamt zwar seltener vor als die flektierten (vgl.Tab.1), dochkann von vereinzelten „Ausrutschern“ keine Rede sein. Zu beachten ist die be-sondershoheTrefferzahl(1353)fürdenBären,wasaberdaraufzurückzuführenist,dass diese Form sowohl für den Akkusativ Singular als auch für den Dativ Pluralsteht und damit (ohne genauere Überprüfung der Fundstellen) nur bedingt aus-sagekräftig ist. Bei den Dativ-Singular-Varianten ist der prozentuale Anteil derunflektierten Formen deutlich höher als bei den Akkusativ-Formen.? Vgl. www.ids-mannheim.de/cosmas2 (abgerufen im Januar 2013).? Das benutzerdefinierte Korpus umfasst folgende Titel: Braunschweiger Ztg., HannoverscheAllgemeine, Hamburger Morgenpost, Mannheimer Morgen, Nürnberger Nachrichten, NürnbergerZtg., Rhein-Ztg., VDI-Nachrichten.10 Birte Kellermeier-Rehbein

Die Recherche macht ferner deutlich, dass es sich nicht etwa um ein regio-nales Phänomen handelt. Die unflektierten Formen konnten in verschiedenenGebieten Deutschlands nachgewiesen werden, wie die Belege (a) bis (f) zeigen:(a) Die Zoo-Tierärzte […] legten den Bär schließlich in Narkose (HannoverscheAllgemeine, 26.03.2008)(b) Der 27-Jährige überwand einen vier Meter hohen Zaun, um den Bär aus derNähe fotografieren zu können (Hamburger Morgenpost, 15.07.2008)(c) Michael, der seit 25 Jahren im Banff-Nationalpark lebt und in dieser Zeit beimBergwandern nur sechs Mal einen Bär aus der Nähe gesehen hat. (Rhein-Zeitung, 27.7.2007)(d) Ein bisschen Angst vor dem Bär hatten die Kleinen schon. (MannheimerMorgen 29.04.2006)(e) Auf Internetportalenwie YouTube wurden Videos mitdem Bär millionenfachangeklickt. (Nürnberger Nachrichten, 21.03.2011)(f) Eine Frau ist gestern in das Eisbärengehege im Berliner Zoo gesprungen undvon einem Bär attackiert worden (Braunschweiger Zeitung, 11.4.2009)Die Überprüfung der Kodifizierung erfolgt am Beispiel der Duden-Grammatik( 7 2006), da sie zu den Nachschlagewerken gehört, die wohl am häufigsten vonratsuchenden Sprechern oder Schreibern konsultiert werden und daher sehrbreitenwirksam sind. Demnach gehört Bär zur schwachen Flexionsklasse, diehauptsächlich maskuline Personen- und Tierbezeichnungen umfasst und in allenKasus- und Numerusformen (außer im Nominativ Singular) mit dem Suffix -en(oder -n) dekliniert wird (vgl. Duden7 2006, 216):Tab. 2: Deklination der schwachen SubstantiveSchwache Substantive Singular PluralNominativ der Bär die BärenGenitiv des Bären der BärenDativ dem Bären den BärenAkkusativ den Bären die BärenDennoch gibt es nach Angaben der Duden-Grammatik Abweichungen von dieserRegel. Zum einen bestehe „eine gewisse Tendenz, die schwache Kasusflexionaufzugeben“ (ebd., 218) und die betreffenden Substantive stark zu flektieren, alsoim Genitiv Singular auf -s und im Akkusativ und Dativ Singular endungslos. Dievon Duden angegebenen Beispiele (dem *Elefant, einen *Held u.a.) sind aber miteinem Asteriskus als ungrammatisch markiert und werden als „standardsprach-lich schwach flektiert“ (ebd., 218) kommentiert. Daraus lässt sich schließen, dassDuden den Ausfall des Flexionssuffixes in diesen Fällen nicht akzeptiert.Standard oder Nonstandard? Ungelöste Probleme der Abgrenzung 11

Gleichzeitig räumt Duden aber Folgendes ein: „Zum Teil ist der Flexionsklas-senwechsel standardsprachlich anerkannt“ (ebd.). Illustriert wird diese Aussagenur anhand eines einzigen Beispiels aus der Gruppe der Sachbezeichnungen(Magnet → dem Magneten/Magnet), die jedoch nicht typisch für die schwacheFlexionsklasse sind. Zum anderen nennt Duden einen syntaktisch bedingtenWegfall der Kasusendung en, der sich im Deutschen immer mehr durchsetze undkeinesfalls mit dem o. g. Flexionsklassenwechsel gleichzusetzen sei (vgl. ebd.,219). Dabei werde auf die Kasusmarkierung verzichtet, wenn dem schwachenMaskulinum weder Artikel noch Adjektiv vorangehe: Ernsthafte Zwischenfällezwischen Bär und Mensch hat es noch nicht gegeben (Internetbeleg, zitiert nachDuden2006,219).EinwichtigerGrunddafürseidieMöglichkeitderVerwechslungmit der Pluralform, denn bei Bären besteht ein Synkretismus, der die Formen desDativ Singular und Plural umfasst und nicht durch grammatische Informationenaus dem Kontext hinsichtlich des Numerus festgelegt wird. So entsteht durchVerwendung der flektierten Form eine mehrdeutige Lesart: Ernsthafte Zwischen-fälle zwischen (einem/mehreren) Bären und (einem/mehreren) Menschen hat esnoch nicht gegeben. Es bleibt festzuhalten, dass Bär in der Duden-Grammatikeindeutig der schwachen Flexionsklas...

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